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Energie & Klima
Die Energiestrategie 2050 der Schweiz
Der beobachtete Klimawandel und die damit verbundenen Risiken sind fast vollständig auf den Ausstoss von Treibhausgasen durch menschliche Aktivitäten durch Verbrennung von fossilen Energieträgern zurückzuführen. Die Schweiz ist aufgrund der abnehmenden von Schnee und Eis bedeckten Flächen besonders betroffen, da dunkle Oberflächen mehr Sonnenstrahlung aufnehmen (positive Rückkopplung).
In der Folge haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über das revidierte Energiegesetz (2017) und der Bundesrat (2019) vorgegeben, dass die Schweiz bis 2050 nicht mehr Treibhausgase ausstossen soll, als natürliche und technische Speicher aufnehmen können (Netto-Null).
Um dies zu erreichen, setzt die Schweiz auf drei wesentliche Pfeiler:
- Steigerung der Energieeffizienz, um den Energieverbrauch zu senken
- Ausbau der erneuerbaren Energien, um die klimaerwärmenden fossilen Energien zu vermeiden
- Atomausstieg, um Abhängigkeit, Kosten und Risiken zu reduzieren
Ausgangslage heute
Gemäss Gesamtenergiestatistik des Bundesamtes für Energie Statistiken lässt sich der Energieverbrauch und die Treibhausgas-Emissionen auf die Sektoren Verkehr, Industrie, Dienstleistungen und Haushalte auf. Davon sind die Sektoren Gebäude und Verkehr heute noch sehr stark von den fossilen Energien abhängig, die in grossen Mengen zur Verfügung stehen müssen und erderwärmend wirken. Entsprechend gross ist deren Effizienz- und Emissionsreduktionspotential.
Die Klima- und Energiestrategie Lostorfs
Wie kann Lostorf im öffentlichen wie privaten Sektor die Klima- und Energiestrategie der Schweiz umsetzen? Um dies zu beantworten, lässt die Energiestadt Lostorf zurzeit eine Energie- und Klimastrategie erarbeiten. Sie soll aufzeigen, welche Ziele anzupeilen sind und damit ermöglichen, welche Prioritäten in den dazu erforderlichen Massnahmen möglich werden. Die Resultate werden Ende 2026 erwartet.
Energieverbrauch und Emissionen der Verwaltungsgebäude
Mit der Erst-Zertifizierung zur Energiestadt 2024 wurden zum ersten Mal der Energieverbrauch und die Emissionen der Verwaltungsgebäude ausgewertet.
Der Energieverbrauch der Gemeinde hat sich nach dem Ersatz der Ölheizung durch eine Wärmepumpe im Werkhof- und Feuerwehr-Gebäude seit 2021 deutlich reduziert. Das momentane Niveau des Energieverbrauchs ist relativ stabil. Grosses Optimierungspotential besteht beim Heizstrom-Bedarf, der aufgrund der Strom-Direktheizung, welche in der Übergangszeit das Schulareal heizt, relativ hoch ist.
Dank der zwei grossen Holzschnitzelheizungen (Schulareal und Gemeindehaus), sind die CO2-Emissionen der Verwaltungsgebäude seit je her eher gering. Der Heizungsersatz im Werkhof- und Feuerwehr-Gebäude 2021 hat zusätzlich die CO2-Emissionen um rund 15 Tonnen reduziert.
Energieverbrauch des Gemeindegebiets
Im Rahmen der Energie- und Klimastrategie wurde der Energieverbrauch über das gesamte Gemeindegebiet analysiert (Quelle: Energiestadt Lostorf (2026): Arbeitsstand der Resultate rund um die Energie- und Klimastrategie Lostorf. 27.07.26, nicht publiziert).
Die Wärmeverbräuche der Gemeinde lagen 2025 bei 51’000 MWh, davon stammen rund 51% aus erneuerbaren Quellen.
Der Stromverbrauch liegt bei 21’100 MWh inkl. Eigenverbrauch Solarstrom, er wird zu 80 % aus erneuerbaren Quellen gewonnen. Davon werden 10’000 MWh für Wärme eingesetzt und 1’250 MWh für Mobilität.
Solarstromproduktion
Die erste heute registrierte PV-Anlage in Lostorf ist seit 2008 mit einer Leistung von 5.5 kW in Betrieb. Seither ist die Solarstromproduktion stetig gewachsen, seit 2021 gar rasant. Heute sind über 180 Anlagen mit einer Leistung zwischen 2.2 und 314 kW in Betrieb. Damit werden in Lostorf 11.3% des Solarpotenzials auf Dächern und Fassaden genutzt (Stand 30.04.2026).
Energiegemeinschaften
Die Revision des Energiegesetzes (EnG) und des Stromversorgungsgesetzes (StromVG) wurde im Rahmen des sogenannten „Mantelerlasses“ für eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien per Bundesgesetz vom 29.09.2023 erarbeitet. Das Volk stimmte der Gesetzesrevision an der Volksabstimmung vom 09.06.2024 zu. Lostorf mit rund 62% Ja-Anteil. Nun sind Energiegemeinschaften im Quartier oder im Dorf möglich.
Ein vZEV (virtueller Zusammenschluss zum Eigenverbrauch) ermöglicht seit dem 1. Januar 2025, dass mehrere Gebäude mit demselben Netzanschlusspunkt gemeinsam lokal produzierten Solarstrom nutzen können. Eine LEG (Lokale Elektrizitätsgemeinschaft) erlaubt seit dem 1. Januar 2026, lokal erzeugten Strom auch über das öffentliche Verteilnetz innerhalb einer Gemeinde oder eines Quartiers zu teilen.
Beide Modelle fördern den Eigenverbrauch von erneuerbarer Energie und steigern die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen. Bereits zweimal war dies Thema an den Energiestadt Themenabenden (13.11.2025 und 10.06.2026). Hier zeigte sich seitens der privaten Solarstrom-Produzenten ein grosses Interesse an diesen Modellen. Die Arbeitsgruppe Energiestadt Lostorf prüft nun die Bildung solcher Energiegemeinschaften. Ziel der laufenden Abklärungen ist es, die Rahmenbedingungen für eine gemeinsame Nutzung von lokal erzeugtem Solarstrom zu kennen bzw. zu schaffen und die Bevölkerung mit Erfahrungen aus eigenen Pilotprojekten zu unterstützen.
ZEV (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch)
Beim ZEV sind alle Teilnehmer physisch miteinander verbunden, meist innerhalb eines Gebäudes oder Areals. Der Strom wird direkt vor Ort verteilt, ohne Umweg über das öffentliche Netz. Die Beteiligten nutzen gemeinsam die Produktionsanlage und teilen sich den erzeugten Strom. Netznutzungskosten des Verteilnetzbetreibers entfallen.
vZEV (virtueller Zusammenschluss zum Eigenverbrauch)
Beim vZEV wird der produzierte Strom (meist Solarstrom) an verschiedene Teilnehmer mit gleichen Netzanschlusspunkt verteilt. Der Austausch erfolgt über die bereits vorhandene Infrastruktur. Abgerechnet wird, wie viel Strom zwischen den Beteiligten geliefert und bezogen wird und was noch zusätzlich vom Verteilnetzbetreiber verbraucht wurde. Netznutzungskosten des Verteilnetzbetreibers für den «internen» Strom fallen keine an.
LEG (Lokale Elektrizitätsgemeinschaft)
Bei einer LEG schliessen sich Produzenten (z. B. mit Solaranlagen) und Verbraucher innerhalb eines lokalen Gebiets zusammen. Der erzeugte Strom wird innerhalb dieser Gemeinschaft genutzt. Das öffentliche Stromnetz bleibt aber eingebunden, und der Energieversorger übernimmt weiterhin Abrechnung und Netzbetrieb. Die Netznutzungskosten des Verteilnetzbetreibers sind reduziert.
Solarstrom selbst produzieren?
Nie war es einfacher als heute eine Photovoltaikanlage zu installieren. Auf dem Markt haben sich viele Solarinstallateure etabliert und selbst in Lostorf bieten drei Firmen PV-Anlagen an. Die Energiestadt Lostorf hat an zwei Themenabenden zusammen mit Fachexperten, Installateuren und Lostorfern mit eigener Erfahrung über Chancen und Erfahrungen informiert.
Sollten Sie in Erwägung ziehen eine Solaranlage zu installieren, können Sie gerne ein neutrales Beratungsgespräch mit einem Mitglied der Arbeitsgruppe vereinbaren, um erste Entscheidungsgrundlage zu erhalten.
Kontakt: energiestadt@lostorf.ch